Staatliche Hochbauämter Freiburg und Heidelberg
Zwei Sanierungsprojekte zeigen einen sensiblen und ressourcenschonenden Umgang mit dem Gebäudebestand. Im Fokus steht der Erhalt und die Weiterentwicklung vorhandener Bausubstanz, sei es durch Sanierung, Aufstockung oder Nachverdichtung. Durch die bewusste Nutzung bestehender Strukturen bleibt wertvolle sogenannte graue Energie erhalten.
Landesweit realisiert der Bundesbau Baden-Württemberg im Kontext der Wohnraumoffensive zahlreiche Projekte im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Diese Offensive hat das Ziel, möglichst viel bezahlbaren Wohnraum in kurzer Zeit zu schaffen. Dafür rückt das Potenzial bestehender Strukturen verstärkt in den Fokus: Für das Bauen im Bestand bieten ehemalige Gebäude von Gaststreitkräften oft eine tragfähige Grundlage. Die folgenden zwei Beispiele zeigen, dass die Transformation und Weiterentwicklung vorhandener Bausubstanz eine nachhaltige, kostengünstige und zugleich hochwertige, zeitgemäße Alternative zu Abriss und Neubau darstellt.
Das Staatliche Hochbauamt Heidelberg hat in Karlsruhe, in der Tennesseeallee 21-65, ein Projekt realisiert, bei dem Gebäude einer ehemaligen Wohnsiedlung der amerikanischen Gaststreitkräfte die Basis bildeten. Im Bestand gab es 90 Wohneinheiten, die saniert wurden. Durch Aufstockung kamen 60 neue Wohnungen hinzu. Dafür wurde aufgrund des geringen Gewichts und der Möglichkeit zur Vorfertigung eine Aufstockung in Holzbauweise gewählt. Ergänzte Balkone und neu gestaltete Außenanlagen verbessern die Wohnqualität. Eine Besonderheit ist zudem, dass hier das erste Mieterstromprojekt der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) umgesetzt wurde: Über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach können die Bewohnerinnen und Bewohner nun direkt erneuerbaren Strom beziehen.
Mit dem „Quartier 5“ in Müllheim setzte das Staatliche Hochbauamt Freiburg ein Pilotprojekt für den Wohnungsbau der BImA in Baden-Württemberg um. Die in den 1950er Jahren für die französischen Streitkräfte errichtete Wohnsiedlung bot sich mit viel Platz zwischen den bestehenden Gebäuden zur Nachverdichtung an: Nun ergänzen acht Neubauten mit 108 familiengerechten Wohnungen die acht Bestandsgebäude mit 120 Wohnungen. Letztere werden zurzeit saniert. Die Neubauten erfüllen erhöhte Schallschutz- und Energiestandards. Extensiv begrünte Dächer, Photovoltaikanlagen und Fernwärme aus regenerativen Quellen tragen zur Nachhaltigkeit bei. Durchquert man das Quartier fußläufig, eröffnen sich zwischen den Neu- und Bestandsgebäuden Hofräume mit großer Aufenthaltsqualität, Spielplätze und Begegnungsflächen. Damit beweist das „Quartier 5“, dass in der Nachverdichtung eine Chance für nachhaltige Stadtentwicklung liegt: Zwischen Bestand und Neubau ist hier ein vielfältiges, durchgrüntes Quartier entstanden, das funktional, ökologisch, sozial und architektonisch überzeugt.
Bauherr
Planung und Umsetzung Karlsruhe
Gebäudedaten Karlsruhe
Planung und Umsetzung Müllheim Nachverdichtung durch Neubau
Gebäudedaten Müllheim Nachverdichtung durch Neubau
Gebäudedaten Müllheim Sanierung der Bestandsgebäude