Staatliches Hochbauamt Heidelberg

Schleuse Schwabenheim: Sorgfalt am Wasser

Bundeswasserstraßen sind lebenswichtige Infrastruktur. Die neuen Technikgebäude der Schleuse Schwabenheim am Neckar zeigen eindrücklich, dass auch Infrastrukturbauten gestalterische Sorgfalt verdienen.

Der Infrastrukturbau der Schleuse, links das „Gebäude Mensch“ mit dem Steuerraum, rechts das „Gebäude Technik“.

Zwei Gebäude, ein Ensemble

Am Neckar, Kilometer 17,7, liegt die Schiffsschleuse Schwabenheim. Entstanden sind hier zwei klar getrennte, langgestreckte Baukörper, die parallel angeordnet zur nördlichen Schleusenkammer und unterirdisch verbunden sind. Früher überblickten Schleusenwärter Schiff und Wasser mit eigenen Augen vom Steuerstand aus, der sich auf dem Mittelbau der beiden Schleusenkammern befand. Heute übernehmen Kameras diese Aufgabe, die Steuerung ist ortsunabhängig geworden. Der Steuerraum ist nun im „Gebäude Mensch“ untergebraucht, zudem befinden sich dort Sozial- und Aufenthaltsräume. Im „Gebäude Technik“ befinden sich Werkstätten und die technische Infrastruktur zur Schleusensteuerung.

© Brigida González

Bei diesem Funktionsbau hat der Bundesbau Baden-Württemberg sehr bewusst Wert auf die Gestaltung gelegt: Die Anlage soll als Landmarke wahrgenommen werden und zu einer Rast einladen, um die Schiffe beim Heben und Senken zu beobachten. Denn unmittelbar am Gebäude verläuft ein Rad- und Freizeitweg mit jahrtausendealter Geschichte: ein ehemaliger Römerweg. Das vorgesetzte, handwerklich verarbeitete Klinkermauerwerk mit sehr breiten Fugen nimmt dies auf und knüpft gleichzeitig an die historischen Schleusenbauten weiter flussaufwärts an, die teils unter Denkmalschutz stehen. Eine besondere Note: Die Ziegel wurden bewusst mit der Rückseite nach außen verbaut. Die kleinen Abdrücke des Trocknungsgerüsts, die sonst unsichtbar bleiben, geben dem Mauerwerk eine lebendige, handwerkliche Oberfläche.

: Ein heller Raum mit Oberlicht und großer, geschwungener Fensterfläche. Alles ist hell, bis auf den Unterbau des Steuerstands.
""
Ein dunkelgrauer Tisch mit gelben Stühlen, die Türen orange, die Wände betonfarben.

Das prägende Element des Gebäudes sind die geschwungenen, auskragenden Dachkränze aus Betonfertigteilen. Sie waren in der Herstellung eine echte Herausforderung. Die Lösung kam aus dem Automobilbau: Tausende einzelne Wellpappscheiben wurden dicht nebeneinander gesetzt und bildeten so die Form, in die der Beton gegossen werden konnte. Als die fertigen Elemente auf der Baustelle einschwebten, war das ein besonderer Moment für alle Beteiligten. Das Ergebnis ist ein Dach, das dem Gebäude – trotz des Betons – Leichtigkeit verleiht. Dass sich der Aufwand gelohnt hat, bestätigt auch die Fachwelt: Das Projekt hat es bei der Verleihung zum DAM Preis 2026 unter die 23 besten Bauten in/aus Deutschland geschafft und wurde somit aufgenommen in das Jahrbuch Deutsche Architektur 2026.

© Brigida González

Projektsteuerung / Projektleitung, Planung

  • Bundesbau Baden-Württemberg, Staatliches Hochbauamt Heidelberg

 

Planung, Ausführung

  • Architektur: Ecker Architekten BDA+BDIA PartG mbH, Heidelberg
  • Tragwerksplanung: Dipl.-Ing. Stephan Uhrig, Mannheim
  • HLS-Planung: Tectareal Solutions Rhein-Neckar GmbH, Mannheim
  • Elektro-Planung: sbi GmbH Schneider, Walldorf
  • Außenanlagen: Ing.-Büro E.Schulz GmbH, Hirschberg
  • Lichtplanung: Anselm von Held, Berlin

 

Gebäudedaten

  • Standort: Flusskilometer 17,7 des Neckars
  • Bruttogeschossfläche BGF: 371 m2 - Gebäudeteil Mensch und Gebäudeteil Technik

 

Auszeichnung

  • DAM Preis 2026: Einer der 23 besten Bauten in/aus Deutschland
  • Architekturpreis Beton 2026